Jul 21, 2026
·
14
 Min. Lesezeit
Liquiditätsmanagement & Cashflow

Cashflow: Definition, Bedeutung & Arten einfach erklärt

Aktualisiert: 
Jul 21, 2026

Der Cashflow ist die ehrlichste Kennzahl Deines Unternehmens und entscheidet darüber, ob Du Rechnungen bezahlen, investieren und wachsen kannst. Ein gut gesteuerter Cashflow ist dabei weit mehr als eine Absicherung, er ist ein Wachstumshebel: Wer seine Zahlungsströme kennt, investiert im richtigen Moment, zieht Skonto, verhandelt bessere Konditionen und ergreift Chancen, bevor der Wettbewerb reagiert. Wie viel dabei auf dem Spiel steht, zeigt eine Zahl: Rund 82 % der Firmeninsolvenzen hängen mit mangelnder Liquiditätsplanung zusammen (Creditreform, 2025), bei jungen Unternehmen nennen sogar 81 % der gescheiterten Startups Cashflow-Probleme als Ursache (Startup Genome, 2023). In diesem Leitfaden erfährst Du, wie Du Deinen Geldfluss gezielt für Stabilität und Wachstum nutzt.

Cashflow: Definition, Bedeutung & Arten einfach erklärt

Das Wichtigste in Kürze

  • Cashflow ist die Differenz aus allen Ein- und Auszahlungen eines Unternehmens in einem Zeitraum. Er misst den realen Geldfluss, nicht den buchhalterischen Gewinn.
  • Cashflow, Gewinn und Liquidität sind nicht dasselbe: Gewinn ist Buchhaltung, Cashflow ist Bewegung, Liquidität ist ein Zeitpunkt.
  • Es gibt vier Arten: operativer (OCF), Investitions- (ICF), Finanzierungs- (CFF) und freier Cashflow (FCF).
  • Ein dauerhaft positiver operativer Cashflow gilt als Zeichen finanzieller Gesundheit und verschafft Spielraum für Investitionen.
  • Wer seinen Cashflow kennt und plant, erkennt Engpässe früh und kann gegensteuern.
  • Was ist Cashflow? Einfach erklärt

    Cashflow (deutsch: Geldfluss oder Kapitalfluss) bezeichnet die Differenz zwischen allen Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum, etwa einem Monat, Quartal oder Jahr. Er misst den tatsächlichen Zahlungsmittelfluss und zeigt, wie viel liquide Mittel ein Unternehmen aus eigener Kraft erwirtschaftet.

    Der Cashflow ist eine Stromgröße. Er betrachtet Geldbewegungen über die Zeit, unabhängig von rein buchhalterischen Vorgängen wie Abschreibungen. Genau das macht ihn so aussagekräftig. Er zeigt, wie gut Dein Unternehmen seine finanziellen Ressourcen wirklich steuert. Kurz gesagt beantwortet der Cashflow die Frage, ob am Ende einer Periode mehr Geld da ist als zu Beginn.

    Cashflow einfach erklärt: die Konto-Analogie

    Stell Dir Dein Unternehmen wie ein Konto vor: Es kommt Geld herein (Kundenzahlungen, Kredite) und es geht Geld hinaus (Löhne, Miete, Lieferanten, Steuern). Was am Ende der Periode übrig bleibt, ist Dein Cashflow.

    Ist mehr hereingekommen als hinausgegangen, ist der Cashflow positiv, andernfalls negativ. So einfach lässt sich „Was bedeutet Cashflow?“ beantworten: Er ist der reale Geldüberschuss oder das Geldminus Deines Wirtschaftens. Er ist damit greifbarer als der Gewinn, denn er beschreibt Bewegungen auf dem Bankkonto und nicht bloß eine Position in der Bilanz.

    Der Cashflow als Verlauf: Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge formen den Cash-Bestand über die Zeit. Links die Liquiditätsanalyse (Vergangenheit), rechts die Liquiditätsplanung (Zukunft).

    Was ist der Unterschied zwischen Cashflow, Gewinn und Liquidität?

    Diese drei Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber Unterschiedliches. Kurz gesagt: Gewinn ist Buchhaltung, Cashflow ist Bewegung, Liquidität ist ein Zeitpunkt.

    Gewinn, Cashflow und Liquidität im Vergleich
    Begriff Was er zeigt
    GewinnBuchhalterisches Ergebnis (Erträge minus Aufwendungen). Enthält auch nicht zahlungswirksame Posten wie Abschreibungen.
    CashflowTatsächlicher Geldfluss über einen Zeitraum. Eine Stromgröße, die reale Zahlungsströme abbildet.
    LiquiditätZahlungsfähigkeit zu einem Zeitpunkt. Also ob Du Deine fälligen Rechnungen jetzt begleichen kannst.
    Wichtig: Ein Unternehmen kann Gewinn ausweisen und trotzdem in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wenn das Geld noch nicht eingegangen ist. Cashflow ist also nicht gleich Gewinn. Wie Zahlungsfähigkeit und Geldfluss zusammenspielen, vertiefen wir im Leitfaden zur Liquiditätsplanung

    Wenn Du Deine Zahlungsfähigkeit konkret ermitteln willst, hilft Dir der Beitrag Liquidität berechnen Schritt für Schritt weiter.

    Warum ist der Cashflow so wichtig?

    Der Cashflow ist wichtig, weil er finanzielle Engpässe früher sichtbar macht als jede andere Kennzahl, und Engpässe sind das größte Einzelrisiko für Unternehmen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg 2025 auf rund 23.900 Fälle, ein Plus von 6,7 % gegenüber dem Vorjahr (Creditreform, 2025). Für 2026 werden etwa 24.500 Insolvenzen erwartet (Allianz Trade, 2025).

    Der Cashflow ist aber nicht nur Schutzschild, sondern auch Steuerungsinstrument: Wer seinen Geldfluss kennt, erkennt Engpässe früh genug, um gegenzusteuern, und weiß gleichzeitig, wann Spielraum für Investitionen, Einkauf mit Skonto oder Wachstum besteht. Dieselbe Kennzahl, die vor der Krise warnt, zeigt Dir also auch, wann der richtige Moment für den nächsten Schritt ist.

    Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2025 und PPrognose 2026

    Als standardisierte und schwer manipulierbare Kennzahl schafft der Cashflow Transparenz für Geschäftsführung, Investoren und Kreditgeber. Vor allem dreierlei macht er sichtbar:

    • Finanzielle Stabilität: ob Dein Unternehmen aus eigener Kraft genug Geld für die laufenden Kosten erwirtschaftet.
    • Handlungsspielraum: wie viel Geld frei für Investitionen, Schuldentilgung oder Ausschüttungen verfügbar ist.
    • Frühwarnsystem: ein sinkender Cashflow deutet auf Risiken hin, lange bevor die Zahlungsunfähigkeit droht.

    Warum scheitern so viele Unternehmen am Cashflow?

    Weil Umsatz nicht gleich Geld auf dem Konto ist. Nach Auswertungen der Creditreform hängen rund 82 % der Firmeninsolvenzen mit mangelnder Liquiditätsplanung zusammen (Creditreform, 2025). Cashflow ist dabei selten die alleinige Ursache, aber fast immer beteiligt. Das Muster zieht sich durch alle Unternehmensgrößen: Auch 69 % der kleinen Unternehmen berichten von Cashflow-Problemen (QuickBooks, 2024).

    Anteil der Firmeninsolvenzen mit Bezug zu mangelnder Liquiditätsplanung

    Der Grund ist meist ein Timing-Problem: Kosten fallen sofort an, Kundenzahlungen kommen später. Auch profitable Unternehmen geraten so in Not, wenn Rücklagen und Planung fehlen. Deshalb ist der Cashflow kein reines Finanzthema, sondern eine Führungsaufgabe. Wer die Lücke zwischen Leistung und Zahlungseingang aktiv managt, verschafft sich Handlungsfähigkeit auch in schwierigen Phasen.

    Warum ist der Cashflow gerade jetzt entscheidend?

    Weil das Zahlungsverhalten angespannt bleibt und Geld später eingeht. Rund 45 % aller B2B-Rechnungen werden verspätet bezahlt (Intrum, 2024). 56 % der kleinen Unternehmen sind von verspäteten Zahlungen betroffen (QuickBooks, 2025), und 26 % der KMU zahlen ihre eigenen Rechnungen verspätet (Allianz Trade, 2024). Wer hier nicht plant, finanziert das Zahlungsverhalten seiner Kunden aus eigener Kasse.

    verspätete Zahlungen belasten den Cashflow

    Für Dich heißt das: Zwischen Leistung und Zahlungseingang klafft oft ein Monat oder mehr. Genau diese Lücke muss Dein Cashflow überbrücken. Je länger die Zahlungsziele und je unregelmäßiger die Eingänge, desto wichtiger wird eine vorausschauende Planung. Sonst wird aus einer verspäteten Zahlung schnell ein echter Engpass, obwohl das Geschäft an sich gesund ist.

    Welche Arten des Cashflows gibt es?

    Es gibt vier zentrale Arten des Cashflows: den operativen (OCF), den Investitions- (ICF), den Finanzierungs- (CFF) und den freien Cashflow (FCF). Jede beleuchtet einen anderen Bereich der Unternehmensfinanzen. Einzeln zeigen sie, wo das Geld herkommt und hingeht. Zusammen ergeben sie das vollständige Liquiditätsbild.

    Operativer Cashflow (OCF)

    Der operative Cashflow, auch Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, umfasst alle regulären Ein- und Auszahlungen aus dem Kerngeschäft: Einnahmen aus Verkäufen abzüglich Betriebsausgaben wie Gehälter, Miete und Steuern. Ein positiver OCF ist das wichtigste Zeichen operativer Stärke, denn das Unternehmen trägt sich selbst. Er ist meist die erste Kennzahl, auf die Banken und Investoren schauen.

    Cashflow aus Investitionstätigkeit (ICF)

    Der Investitions-Cashflow zeigt Geldströme aus Kauf oder Verkauf von Anlagevermögen, etwa Maschinen, Gebäude oder Beteiligungen. Ein negativer ICF ist in Wachstumsphasen normal und oft ein gutes Zeichen, denn das Unternehmen investiert in seine Zukunft. Ein positiver ICF durch Anlagenverkäufe kann dagegen auf eine Konsolidierung hindeuten.

    Cashflow aus Finanzierungstätigkeit (CFF)

    Der Finanzierungs-Cashflow (CFF) betrifft die Kapitalstruktur: Einnahmen aus der Aufnahme von Eigen- oder Fremdkapital (Aktien, Anleihen, Kredite) und Ausgaben für Dividenden oder Kredittilgung. Ein positiver CFF bedeutet, dass Kapital aufgenommen wird. Ein negativer CFF heißt, dass Kapital an Eigentümer oder Gläubiger zurückfließt.

    Freier Cashflow (Free Cash Flow, FCF)

    Der Freie Cashflow ist der Betrag, der nach Abzug aller Betriebsausgaben und Investitionen übrig bleibt. Er ist der wichtigste Indikator für finanzielle Flexibilität, denn er zeigt, wie viel Geld frei zur Verfügung steht, um Schulden zu tilgen, Dividenden zu zahlen oder weiter zu investieren. Ein stabiler oder wachsender FCF gilt als Zeichen gesunder Unternehmensführung.

    Neben der Einteilung nach Tätigkeitsbereichen wird der Cashflow zusätzlich nach Brutto und Netto unterschieden, also vor und nach Steuern. Das ist keine fünfte Art, sondern eine andere Betrachtungsweise derselben Zahlungsströme.

    Brutto- und Netto-Cashflow

    Der Brutto-Cashflow entspricht dem operativen Cashflow vor Steuern. Zieht man die tatsächlich gezahlten Steuern ab, erhält man den Netto-Cashflow, also den Geldfluss, der dem Unternehmen nach Steuern real zur Verfügung steht.

    Die vier Cashflow-Arten auf einen Blick:

    Die vier Arten des Cashflows
    Art Bedeutung
    Operativer Cashflow (OCF)Geld aus dem laufenden Kerngeschäft. Misst die operative Ertragskraft.
    Investitions-Cashflow (ICF)Geld aus Investitionen und Desinvestitionen. Zeigt Investitionen in künftiges Wachstum.
    Finanzierungs-Cashflow (CFF)Geld aus Finanzierungsaktivitäten. Spiegelt Kapitalstruktur und Finanzierungspolitik.
    Freier Cashflow (FCF)Cashflow nach Investitionen. Zeigt finanzielle Flexibilität für Tilgung, Ausschüttung, Wachstum.

    Was ist der Unterschied zwischen positivem und negativem Cashflow?

    Ein positiver Cashflow bedeutet, dass die Zuflüsse die Abflüsse übersteigen. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Überschuss. Ein negativer Cashflow heißt, dass mehr Geld abfließt als hereinkommt. Der Unterschied entscheidet über Handlungsfähigkeit und Risiko.

    Positiver Cashflow: Chancen und Vorteile

    Ein positiver Cashflow ist ein Zeichen finanzieller Gesundheit. Kosten lassen sich decken, Schulden tilgen, Reserven bilden und Investitionen finanzieren. Ein starker Cashflow erhöht zudem den Unternehmenswert und macht Dich für Kapitalgeber attraktiv, etwa bei Kreditverhandlungen oder Finanzierungsrunden. Er verschafft Dir außerdem Verhandlungsmacht, weil Du Skonto ziehen und günstige Konditionen sichern kannst.

    Negativer Cashflow: Risiken und Nachteile

    Kurzfristig ist ein negativer Cashflow während großer Investitionsphasen normal. Hält der Zustand an (dann spricht man von Cash Loss oder Cash Drain), steigen das Risiko der Zahlungsunfähigkeit und die Abhängigkeit von externer Finanzierung. Wachstumspläne werden ausgebremst. Entscheidend ist deshalb, einen negativen Cashflow bewusst und geplant zuzulassen und nicht von ihm überrascht zu werden.

    Wie kann ein Unternehmen trotz Verlust einen positiven Cashflow haben?

    Das geht, weil nicht zahlungswirksame Posten wie Abschreibungen den buchhalterischen Gewinn mindern, aber keinen echten Geldabfluss verursachen. Ein Unternehmen kann in der Gewinn- und Verlustrechnung also einen Verlust ausweisen und trotzdem liquide bleiben. Das ist ein weiterer Beleg dafür, warum der Cashflow oft aussagekräftiger ist als der Gewinn.

    Was sagt der Cashflow über Dein Unternehmen aus?

    Der Cashflow sagt aus, wie tragfähig Dein Geschäftsmodell wirklich ist.

    Er beantwortet die Frage, ob Dein Unternehmen aus eigener Kraft genug Geld erwirtschaftet, um laufende Kosten zu decken, Kredite zu bedienen und zu wachsen. Genau deshalb schauen Banken, Investoren und Ratingagenturen zuerst auf den operativen Cashflow und erst danach auf den Gewinn.

    Wichtig ist dabei die Entwicklung über die Zeit, nicht die Momentaufnahme. Ein einzelner negativer Monat ist selten ein Problem, ein über mehrere Perioden sinkender operativer Cashflow dagegen ein klares Warnsignal. Aussagekräftig wird der Cashflow außerdem erst im Zusammenspiel der vier Arten: Ein negativer Investitions-Cashflow bei starkem operativem Cashflow zeigt gesundes Wachstum, während ein positiver Cashflow, der nur aus neuen Krediten stammt, Vorsicht gebietet.

    Die häufigsten Fehler im Cashflow-Management

    In der Praxis entstehen Engpässe selten aus dem Nichts. Meist stecken vermeidbare Fehler dahinter: Umsatz wird mit Liquidität verwechselt, Zahlungseingänge werden zu optimistisch geplant, saisonale Schwankungen werden ignoriert und es fehlt eine rollierende Vorschau. Wer diese Punkte kennt, kann früh gegensteuern.

    • Umsatz mit Cashflow gleichsetzen: ein voller Auftragsbestand bedeutet noch kein Geld auf dem Konto, solange Rechnungen offen sind.
    • Nur rückblickend planen: wer allein auf vergangene Zahlen schaut, erkennt Engpässe erst, wenn sie schon da sind.
    • Reserven unterschätzen: ohne Liquiditätspuffer wird jede verspätete Zahlung sofort zum Risiko.

    Wie berechnest Du den Cashflow? Mit Beispiel

    Der Cashflow lässt sich auf zwei Wegen ermitteln: mit der direkten Methode (tatsächliche Ein- und Auszahlungen werden gegenübergestellt) oder der indirekten Methode (ausgehend vom Jahresüberschuss, korrigiert um nicht zahlungswirksame Posten). Vereinfacht gilt:

    Cashflow-Grundformel

    Cashflow = Einzahlungen minus Auszahlungen

    Indirekt: Cashflow = Jahresüberschuss plus Abschreibungen plus/minus Veränderungen im Umlaufvermögen

    Cashflow berechnen: ein kurzes Beispiel

    Ein Beispiel für die indirekte Methode: Ein Unternehmen hat ein Nettoergebnis von 150.000 €, Abschreibungen von 50.000 € und einen Anstieg der Forderungen um 20.000 €. Der Forderungsanstieg bindet Geld und wird abgezogen.

    Der operative Cashflow beträgt also: 150.000 € plus 50.000 € minus 20.000 € = 180.000 €. Die Abschreibungen werden addiert, weil sie den Gewinn mindern, aber kein Geld kosten. Ein anschauliches Beispiel dafür, warum Cashflow und Gewinn auseinanderfallen.

    Welche Methode wann sinnvoll ist, welche Formeln für operativen und freien Cashflow gelten und wie Du alles an weiteren Rechenbeispielen (inklusive Discounted Cashflow) nachvollziehst, zeigen wir Schritt für Schritt im ausführlichen Guide: Cashflow berechnen: Formeln, Methoden & Beispiele.

    Welche Cashflow-Kennzahlen sind wichtig?

    Ist der Cashflow ermittelt, helfen Kennzahlen dabei, ihn einzuordnen und die finanzielle Gesundheit zu bewerten. Drei Kennzahlen sind besonders relevant:

    • Cashflow-Marge: Cashflow im Verhältnis zum Umsatz. Sie zeigt, wie viel von jedem Umsatz-Euro als echter Geldfluss ankommt. Eine steigende Marge ist ein starkes Zeichen operativer Effizienz.
    • Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV): Aktienkurs geteilt durch Cashflow je Aktie. Eine Bewertungskennzahl, die schwerer manipulierbar ist als das Kurs-Gewinn-Verhältnis.
    • Discounted Cashflow (DCF): zinst künftige Cashflows auf ihren heutigen Wert ab. Zentral für Investitions- und Unternehmensbewertung.

    Zur Einordnung: Die durchschnittliche Eigenkapitalquote im deutschen Mittelstand lag zuletzt bei 30,7 % (KfW-Mittelstandspanel, 2025). Sie zeigt, wie viel Puffer Unternehmen haben, um Schwankungen im Cashflow abzufedern. Je dünner die Kapitaldecke, desto wichtiger wird ein stabiler operativer Cashflow. Die genauen Formeln findest Du im ausführlichen Guide zur Cashflow-Berechnung..

    Wie steuerst Du Deinen Cashflow aktiv?

    Den Cashflow zu kennen ist die eine Hälfte, ihn aktiv zu steuern die andere. Mit einer laufenden Cashflow-Planung und regelmäßigen Prognosen erkennst Du früh, wie sich Deine Liquidität in den kommenden Wochen entwickelt. Trotzdem erstellen noch 72 % der Treasury-Verantwortlichen ihre Cashflow-Prognosen manuell (PYMNTS, 2022), was Zeit kostet und fehleranfällig ist.

    Besonders wertvoll sind Szenarioanalysen. Du spielst Entwicklungen vom Best- bis zum Worst-Case durch und siehst sofort, wie sich eine Investition, ein Umsatzeinbruch oder eine verspätete Kundenzahlung auswirkt. Wie das methodisch funktioniert, zeigen wir im Beitrag zu Szenarioplanung und Forecasting. Nicht ohne Grund nutzen inzwischen 70 % der CFOs mindestens ein KI-Tool im Cash-Management (PYMNTS, 2025).

    Praxis-Tipp aus dem Finanzalltag: „In der Praxis unterschätzen viele Unternehmen den Zeitversatz zwischen Rechnung und Zahlungseingang. Eine rollierende 13-Wochen-Vorschau deckt genau diese Lücke auf und macht aus dem Bauchgefühl eine belastbare Entscheidungsgrundlage.“ Ein Tool wie Tidely bildet Bankkonten und Prognosen dafür tagesaktuell und automatisiert ab, inklusive einer 13-Wochen-Planung mit einem Klick.

    Wie kannst Du Deinen Cashflow verbessern?

    Den Cashflow verbesserst Du an zwei Hebeln: Geld schneller hereinholen und Geld langsamer beziehungsweise gezielter hinausgeben. Weil 53 % der Unternehmen Forderungsausfälle als eines ihrer größten Risiken sehen (DIHK, 2024), liegt der größte Hebel oft beim Forderungsmanagement.

    • Forderungen aktiv managen: kürzere Zahlungsziele, klare Mahnprozesse und Anreize für frühe Zahlung reduzieren die Zeit, in der Dein Geld beim Kunden liegt.
    • Ausgaben timen: Lieferantenkonditionen und Zahlungszeitpunkte so wählen, dass Aus- und Einzahlungen besser zusammenpassen.
    • Lager und Kapitalbindung senken: weniger gebundenes Kapital in Beständen setzt Liquidität frei.
    • Vorausschauend planen: eine rollierende Cashflow-Prognose zeigt Engpässe, bevor sie entstehen. Der wirksamste Schutz vor Zahlungsunfähigkeit.

    Diese Maßnahmen wirken zusammen: Wer Forderungen strafft, Ausgaben steuert und regelmäßig plant, macht den Cashflow planbar statt reaktiv und senkt das Risiko, selbst bei vollen Auftragsbüchern in einen Engpass zu geraten. 

    Weitere konkrete Ansätze findest Du in unseren Tipps zur Liquidität verbessern. Gerade für junge Unternehmen lohnt zusätzlich ein Blick auf Burn Rate und Cash Runway.

    Fazit: Cashflow verstehen, planen, steuern

    Der Cashflow ist die ehrlichste Kennzahl Deines Unternehmens. Er zeigt, wie viel Geld real fließt, nicht wie viel Gewinn auf dem Papier steht. Wer die vier Arten versteht, positiven von negativem Cashflow unterscheidet und seinen Geldfluss aktiv plant, legt das Fundament für nachhaltiges Wachstum.

    Angesichts steigender Insolvenzzahlen und langer Zahlungsziele ist das kein Nice-to-have mehr. Der nächste Schritt ist die konkrete Berechnung und danach die laufende, idealerweise automatisierte Steuerung. So wird aus einer Kennzahl ein echtes Steuerungsinstrument für Dein Unternehmen.

    Häufige Fragen zum Cashflow (FAQ)

    Was ist der Cashflow einfach erklärt?

    Der Cashflow ist die Differenz zwischen allen Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum. Er zeigt, wie viel Geld tatsächlich zur Verfügung steht, unabhängig von buchhalterischen Posten wie Abschreibungen.

    Was bedeutet Cashflow?

    Cashflow (deutsch: Geldfluss) bezeichnet den Netto-Zahlungsmittelfluss eines Unternehmens. Ein positiver Cashflow bedeutet einen Geldüberschuss, ein negativer einen Geldabfluss.

    Ist Cashflow gleich Gewinn?

    Nein. Der Gewinn ist ein buchhalterisches Ergebnis und enthält nicht zahlungswirksame Posten. Der Cashflow misst den realen Geldfluss. Ein Unternehmen kann Gewinn machen und trotzdem knapp bei Kasse sein, und umgekehrt.

    Welche Arten von Cashflow gibt es?

    Vier: operativer Cashflow (OCF) aus dem Kerngeschäft, Investitions-Cashflow (ICF), Finanzierungs-Cashflow (CFF) und freier Cashflow (FCF) nach Abzug aller Investitionen.

    Was ist ein guter Cashflow?

    Ein guter Cashflow ist dauerhaft positiv im operativen Bereich: Das Unternehmen erwirtschaftet aus dem Kerngeschäft genug Geld, um Kosten zu decken und zu investieren. Wie hoch er sein sollte, hängt von Branche, Wachstumsphase und Investitionsbedarf ab.

    Was ist der Cashflow in der Bilanz?

    Der Cashflow steht nicht direkt in der Bilanz. Er wird aus Gewinn- und Verlustrechnung sowie weiteren Finanzberichten abgeleitet (Kapitalflussrechnung) und zeigt die Veränderung der liquiden Mittel.

    Ist der Cashflow vor oder nach Steuern?

    Beides ist möglich. Beim operativen Cashflow wird die Steuerlast in der Regel berücksichtigt, da sie eine reale Ausgabe ist und die tatsächliche Liquidität beeinflusst (Netto-Cashflow).

    Wie kann ich meinen Cashflow verbessern?

    Vor allem über schnelleres Forderungsmanagement, gezieltes Timing der Ausgaben, weniger Kapitalbindung im Lager und eine rollierende Cashflow-Planung, die Engpässe frühzeitig sichtbar macht.

    Quellen

    Über den Autor

    Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
    Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
    Founder & CEO

    Niclas Storz ist Gründer und CEO von Tidely, einer Softwarelösung für das Liquiditätsmanagement von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Zuvor war er über 20 Jahre als Management Consultant tätig. Zuletzt als Senior Partner & Managing Director bei der BCG.

    Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
    Niclas Storz: Founder & CEO von Tidely
    Founder & CEO

    Du hast Fragen zu Tidely?
Wir freuen uns auf Deine Nachricht.

    Kontakt aufnehmen

    Aktuelle Beiträge

    Finanzplan erstellen: Die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg
    September 5, 2024
    ·
    8
     Min. Lesezeit

    Finanzplan erstellen: Die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg

    Ein gut durchdachter Finanzplan bildet die Grundlage für jedes erfolgreiche Unternehmen. Ganz gleich, ob Du ein Start-up gründest oder ein etabliertes Unternehmen leitest – ein strukturierter und zuverlässiger Finanzplan hilft Dir, Deine finanziellen Ziele zu erreichen, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und den langfristigen Erfolg Deines Unternehmens zu sichern. In diesem Artikel erfährst Du, welche Inhalte in einen Finanzplan gehören, wie Du ihn Schritt für Schritt erstellst und dabei häufige Fehler vermeidest.

    Budgetplan erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung und wertvolle Tipps
    August 6, 2023
    ·
    5
     Min. Lesezeit

    Budgetplan erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung und wertvolle Tipps

    Zugegeben: Es kann eine Herausforderung sein, einen Budgetplan zu erstellen. In der Regel treffen zu hohe Anforderungen auf zu wenig Geld, es kommt zu Machtkämpfen um Budgets, und die Ressourcen werden infolgedessen nicht sinnvoll eingesetzt. Den Budgetplan einfach übergehen? Das ist definitiv keine Lösung, denn die Planung schafft Transparenz über die finanzielle Situation auf Projekt- oder auch Unternehmensebene. Doch wie funktioniert eine Budgetplanung? Wir haben wertvolle Tipps und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Dich.

    Zwischenfinanzierung für Unternehmen: Überbrückungskredit für schnelle Liquidität
    February 6, 2025
    ·
    6
     Min. Lesezeit

    Zwischenfinanzierung für Unternehmen: Überbrückungskredit für schnelle Liquidität

    Eine Zwischenfinanzierung kann für Dein Unternehmen ein wichtiges Instrument sein, um Liquiditätsengpässe kurzfristig zu überbrücken oder Finanzierungslücken zu schließen, wenn geplante Mittel noch nicht verfügbar sind. Diese Art des Überbrückungskredits wird oft eingesetzt, um Projekte oder Großaufträge im Voraus zu finanzieren, bis die Kunden die zugesagten Zahlungen leisten können. Sie kommt z. B. auch bei Start-ups zum Einsatz, um die Zeit bis zur fest zugesagten Finanzierungsrunde zu überbrücken, oder um Investitionen wie Maschinen zu finanzieren, bis diese durch bereits vereinbartes Leasing oder einen zugesagten langfristigen Kredit gedeckt werden. Doch wie funktioniert eine Zwischenfinanzierung und welche Kosten bringt sie mit sich? In diesem Beitrag klären wir diese und weitere Fragen und zeigen auf, wie Du Zwischenfinanzierungen optimal für Dein Unternehmen nutzen kannst.

    Tidely für 7 Tage kostenlos testen

    Vereinfache Deine Cashflow-Berechnung mit Tidely und treffe fundierte Entscheidungen für ein nachhaltiges Wachstum.

    Entwickelt und gehostet in Deutschland
    Verschlüsselung auf Bankenniveau
    DSGVO-konform
    Jetzt kostenlos testen